Nepal V – Helambu Trek

Da zu viel Schnee und Regen in der Umgebung von Pokhara fast keine Wanderungen zulassen und in hohen Lagen ohnehin aktuell nichts geht, mussten wir uns nach Alternativen umsehen und sind beim Helambu Trek in der Nähe Kathmandus fündig geworden.

Knapp außerhalb der Stadt geht es los, wobei die 15km von unserer Unterkunft zum Start des Treks über 1,5 Stunden dauerten. Wir sind froh die staubige, laute Stadt endlich wieder hinter uns zu lassen und neugierig auf neue Landschaften & Kulturen die uns hier erwarten sollten.

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Tag 1 & 2

Der Wind bläst über Wellblechhütten & Gebetsfahnen hinweg und die Sonne scheint hier auf ca. 2500m auch schon ganz schön stark. Wir sind in der Mountainview Lodge eingekehrt, in der auch schon eine handvoll Deutsche gerade Dhal Bhat essen.

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Wir sind am Helambu Trek unterwegs, von Sundarijal am Rande Kathmandus’ einmal quer durch den Shivapuri Nationalpark und heute bis Kutumsang, den Eingang zum Langtang Nationalpark. Die Gegend hier war sehr stark vom Erdbeben betroffen und war sogar bis Mitte 2018 für Touristen gesperrt, da keine Trinkwasser und Lebensmittelversorgung sichergestellt werden konnte.

Hier sieht man auch beeindruckende Ruinen, die nach und nach Wellblechhütten und Betonhäusern weichen.

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Wo am Wegrand Zivilisation zu sehen ist, sind Baustellen. Eine Straße wird gebaut und entlang dieser entstehen Häuser, Lodges und Stupas die wahrscheinlich den Opfern des Bebens gewidmet sind bzw. den Überlebenden Glück bringen sollen.

Es ist schön ruhig hier. Noch kommen wenig Touristen in das Gebiet und auch die Hauptsaison dieses Jahr hat noch nicht begonnen. Nur zwei Ladies aus England und eine Gruppe Deutscher Männer haben wir heute getroffen.

Zum ersten mal in Nepal sind wir ohne Guide unterwegs, was sich bis jetzt recht gut anfühlt Zwar haben wir uns einmal fast verlaufen, aber nur fast. Die Gruppe der Deutschen (mit Guide) sind an derselben Stelle falsch gegangen und legten danach ein gutes Stück auf der Ladefläche eines Trucks zurück um die Etappe zu schaffen.

Lenduk, unser Guide bei den ersten Wanderungen hat uns vor dem Aufbruch einige Tipps gegeben. Er selbst konnte uns nicht begleiten, da er gerade in Vorbereitungen für eine Mt. Everest Expedition steckt.

In Kutumsang begegneten uns bei einem kleinen Abendspaziergang zwei Lehrer, die uns unbedingt die neue Schule des Dorfs zeigen wollten. Aus Höflichkeit und Neugier gingen wir mit und lernten etwas über das Nepalesische Schulsystem und die Nationalhymne.

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Tag 3

Endlich konnten wir heute etwas Höhenluft schnuppern! Nach einer bewölkten Nacht folgte ein traumhafter Sonnenaufgang und Fernsicht bis zum Mt. Everest im Nordosten von uns.

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Auf 2400m ging es los und als erste Hürde erwies sich der Checkpoint am Eingang des Langtang Nationalparks, wo ein schwer bewaffneter Soldat unsere Papiere und unsere Rucksäcke kontrollierte. Nach ein wenig Smalltalk und (wie so oft) Überzeugungsarbeit, dass wir aus “Austria” und nicht “Australia” kommen, gab er uns seinen Segen.

Der Weg an sich war traumhaft schön und gleich zu Beginn sahen wir weiße Lemuren herumturnen, irgendetwas Mader-artiges und viele schöne Vögel. Es ging angenehm stetig bergauf, erst durch blühende Rhododendron-Wälder, dann durch lichten Nadelwald, der immer wieder schöne Ausblicke bot.

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Ab 3000hm begann leider der Schnee und bei der Teepause auf 3200hm musste ich schlussendlich doch die lange Hose und Bergschuhe anziehen. Die Sohle (mittlerweile 3x mit Superkleber fixiert…) hielt zum Glück bis zu unserer Ankunft durch.

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Die letzten 2-3 Stunden stapften wir durch tiefen Schnee, in dünner Luft und auf Steinschlag gefährdeten Hängen im nachmittäglichen Tauwetter. 

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Wir trinken Milchtee, essen Kekse und freuen uns auf das allabendliche Dhal Bhat und eine ruhige Nacht, als einzige Gäste in der einzigen geöffneten Hütte in Tadepati auf ca. 3.600m Seehöhe.

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Von dort konnten wir sowohl einen unglaublichen Sonnenunter- als auch Sonnenaufgang beobachten. Zwar sind die Berge rundum keine 8000er aber trotzdem sehr nahe und sehr hoch!

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Der Weg nach Gosainkund (ein nahegelegener See & Pilgerort) ist wie erwartet komplett verschneit und seit über eine Woche wurde er nicht begangen, daher werden wir nach Osten absteigen und dort durch die von Sherpas (Hyolmo) bevölkerte Helambu Region ein Stück weit Richtung Kathmandu zurückgehen.

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Tag 4

Was für ein Abstieg! Von Tadepati ging es nach dem Frühstück bei Traumaussicht aber leider mit gesundheitlichen Problemen (Thomas: Mischung aus Linsenüberdosis, Milch und Höhe, Judith: Wadln) insgesamt 1800 Höhenmeter bergab. Großteils durch steile, verschneite Waldwege, die zum Glück schon jemand gespurt hatte, ging es zuerst nach Melanchegaun (ca. auf 2.500m). Von dort dachten wir würde der Weg flach nach Tharkegyang gehen – leider mussten wir aber hinunter zum Fluss und dann dieselbe Strecke wieder hinauf.

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Kurz haben wir uns beim Aufstieg dann auch doch einmal verlaufen, sahen so aber zumindest ein paar (offensichtlich irritierte) Affen.

Die Leute entlang des Wegs waren sehr freundlich und hilfsbereit, wohl auch weil wir die ersten Touristen seit längerer Zeit waren.

Tag 5

Der vermeintlich kurze und langweilige letzte Tag des Helambu Treks hatte einiges an positiven und negativen Überraschungen parat und wird uns bestimmt in Erinnerung bleiben.

Die schlechten zuerst: Nach der Teepause bei Ganyung, ca. bei der Hälfte der Strecke bekam Judith starke Schmerzen in der linken Wade. Wir kamen langsam und vorsichtig vorwärts und legten immer wieder Pausen ein um die schmerzende Stelle zu massieren. Nach ziemlich harten 2 Stunden für sie kamen wir erschöpft und hungrig am Ziel eines eigentlich sehr schönen Weges an. In Sermathang checkten wir als einzige Gäste im schlichten aber herzlichen Helambu Guesthouse ein, was mich zu den positiven Dingen bringt:

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Kulturell war heute der bisher spannendste Tag der Reise. Frühmorgens im Yangri Peak Hotel wurde bereits fleißig Chapati (Fladenbrot) gebacken für hohen Besuch von Lamas (buddhistischen Mönchen) die hier eine Zeremonie abhalten werden um einem Hochzeitspaar einen besonderen Segen zu geben. Wir konnten die Geistlichen dann noch beim Frühstück sehen bevor wir aufbrachen.

Am Abend davor konnten wir im selben Hotel außerdem Tibetischen Tee kosten (mit Salz & Yak-Butter), lernten viel über die Region und die Hyolmo/Sherpa Kultur.

Tagsüber ging der Weg vorbei an vielen neuen Stupas und vielen stillen, zerstörten Zeugen des Erdbebens – zerbrochenen Tempeln die jetzt wie bemalte Steinhaufen herumliegen und von Gebetsfahnen gesäumt werden.

Die Einheimischen sind sehr religiös, so konnten wir von unserer Gastgeberin lernen, dass die wichtigsten Zahlen im Buddhismus 1, 3, 7, 9 und 108 sind, dass Ama Yangri (ein Berg) die Mutter der Region ist und schon seit der Zeit der Götter besteht. Von ihrem Gipfel sollte man nichts auf einen “steinernen Frosch” werfen, da sonst Gewitter über das Tal einbrechen würden. An den Yeti glaubt sie nicht, konnte aber eine bereits gehörte Geschichte von kleinen, haarigen Menschen die am Bachufer wohnen bestätigen, die entweder ein sehr gutes oder sehr schlechtes Schicksal bringen. Für’s Jenseits oder nächste Leben wird den Göttern jeden Morgen frisches Wasser gegeben und nach Sonnenuntergang eine Kerze angezunden.

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Tag 6 

Die Rückreise gestaltete sich überraschend anstrengend, wenn man bedenkt das es sich wieder um lediglich 60 km nach Kathmandu handelt. Für diese Strecke benötigten wir über 7 Stunden, wobei das hauptsächlich an der interessanten Pauseneinteilung der Busfahrer lag. Zwischen 8 und 12 standen wir über 2 Stunden ohne ersichtlichen Grund herum und warteten auf die Weiterfahrt. Immerhin kamen wir schlussendlich in Kathmandu an, trafen uns noch ein letztes mal mit Lenduk der demnächst auf Mt. Everest Expedition geht und machten uns dann auf den Weg nach Lalitpur wo wir zu einer Hochzeit eingeladen sind.

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Fazit: Der Trek hatte sowohl kulturell als auch landschaftlich sehr viel zu bieten und wir hoffen, das der so stark benötigte Aufschwung in diesem Tal anhält um die angehäuften Schulden, Kinderarbeit und Verkauf von Mädchen zu beenden.

 

 

 

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