Nepal III – Chitwan National Park

Nachdem das Wetter im Himalaya aktuell viel zu viel Schnee & Regen für die Jahreszeit bringt, beschlossen wir uns in einen anderen Teil Nepals aufzumachen – in den tropischen Süden, nahe der Grenze zu Indien – in den Chitwan Nationalpark. Wo einst adelige Engländer auf Großwildjagd gingen, wurde 1973 der erste Nationalpark des Landes gegründet der heute manche der größten Populationen streng geschützter Tiere wie des Bengalischen Tigers, Ghavial Krokodils und vieler Vögel beheimatet.

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Die Gegend hier liegt im “Terai”, dem Nepalesischen Flachland das sich die gesamte Südgrenze zu Indien entlang zieht. Einst malariaverseuchtes Land und Heimat vieler wilder Tiere, lebt heute fast die Hälfte aller Nepalesen hier. Viele Inder kommen über die Grenze und versuchen hier ihr Glück, genauso wie Leute aus Bergdörfern die sich hier bessere Ernten und ein leichteres Leben erhoffen.

Nach einer 5-6h Busfahrt von Pokhara kamen wir in Sauraha, einem Dorf am wichtigsten Parkeingang an und planten mit unseren Guides (die der Lodgebesitzer vermittelt hat) eine “Jungle Walking Tour”. Die meisten Touristen hier sind nur einen Tag hier und nehmen deswegen entweder eine Jeep Tour oder wollen auf Elefantenrücken reiten. Da uns diese Optionen aus Natur- & Tierschutzgründen nicht besonders gut gefallen, entschieden wir uns dafür zu Fuß und mit dem Kanu den Park zu entdecken. Ein aufregender Gedanke, wenn man an die vielen wilden Tiere denkt.

Unsere Guides meinten, am gefährlichsten seien der Lippenbär (mag keine Menschen), Nashörner (mag nur Nashörner) und Krokodile (Essen alles was vor ihr Maul kommt). Tiger und Leoparden sind extrem scheu und würden während des Tages sicher nicht auf Konfrontation gehen. Da die meisten Jäger im Park nachtaktiv sind, ist ab 17:00 der Aufenthalt strengstens verboten.

Am Abend nach Ankunft in Sauraha lernten wir unsere Guides Vishnu & Kushal (Danke an Michael Grad für den Tipp!) kennen. Die beiden waren eine gute Mischung, Vishnu mit 35 Jahren Erfahrung als Nationalparkguide, der vorher mit Elefanten gearbeitet hat. Ein Mann der mit Tieren eindeutig mehr anfangen kann als mit Menschen. Dazu Kushal, gerade in Ausbildung und sehr gesprächig. Wirklich gut war das Englisch der beiden aber leider nur wenn es um Tiere geht.

Mit Kushal spazierten wir am ersten Abend bereits an den Rand des Nationalparks und konnten sehr schnell alle möglichen Vögel, Affen, Rehe und sogar Krokodile und ein Rhino (Covermodel) finden! Die Latte lag hoch für die nächsten beiden Tage.

Tag 1:

Da Sonnenauf- und Untergang die spannendsten Zeiten für die Tierbeobachtung sind, hieß es bald aufstehen! Um 6:00 Uhr frühstücken und dann auf zum Eingang, wo bereits ein Einbaum-Kanu auf uns wartete.

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Bei der wackeligen Fahrt in dem aus einem Stamm gebauten Boot, konnten wir in der Morgensonne sehr viele Vögel beobachten, speziell die Kormorane die ihre Federn in der Sonne trockneten und die Kingfisher (Eisvögel) gefielen uns sehr gut. Außerdem sahen wir jede Menge Pfaue, einen Maribu und verschiedene Störche und Wasservögel.

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Bei der Fahrt kamen wir auch ungemütlich nahe an so manches Krokodil heran. Hier muss man zwischen den gefährlichen Sumpfkrokodilen und den Gavialen unterscheiden, die sich ausschließlich von Fischen ernähren.

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Sumpfkrokodil beim Sonne tanken

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Ein Gavial, zu erkennen an der langen Schnauze

Nach ca. 2h im Kanu verließen wir den Fluss und stapften mal durch den Wald, mal durch meterhohes Elefantengras, mal auf Jeep Roads durch den Park. Bei Wasserstellen  machten wir oft Pause, verschanzten uns und warteten ob ein Tier zum Trinken kommt. Manchmal verbrachten wir bis zu einer Stunde sitzend, schweigend und wartend.

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Termitenhügel

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Am Nachmittag besuchten wir auch noch eine Elefantenzucht am Rand des Nationalparks. Hier werden Elefanten gezüchtet und zu verschiedenen Zwecken von und für die Nepalesische Regierung ausgebildet. Manche für Patrouillen im Nationalpark auf der Suche nach Wilderern bzw. zur Tigerzählung, manche für die Armee. Die Elefanten sind hier zwar in “Gefangenschaft”, werden aber von ihren “Piloten” jeden Tag durch den Wald geführt und bekommen viel Aufmerksamkeit (3 Angestellte pro Elefant). Wir sahen dort sogar ein verspieltes Elefantenbaby (1 Monat alt).

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Elefantenbaby

 

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Fertig ausgebildeter Elefant auf Patrouille

Nach eher erfolgloser Pirsch am Nachmittag verließen wir den Nationalpark (teilweise am Dach eines Busses) und gingen das letzte Stück zu Fuß bis Mardi, einem echten Dorf der einheimischen Tharu Bevölkerung. Kurz vor Schluss mussten wir dafür barfuß einen seichten Fluss durchqueren (Gott sei Dank kein Krokodil in Sicht).

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Tag 2: 

Nach einer Nacht auf einem Brett, aber immerhin mit Moskitonetz marschierten wir wieder früh morgens los, heute mit dem klaren Ziel einen Tiger zu sehen.

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Unsere Unterkunft – ein Tharu Haus aus Lehm, Elefantengras und Kuhdung – aber mit Solar/Photovoltaik Panelen!

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Den Vormittag verbrachten wir entlang des Flussufers, da hier eine weite Fläche einsehbar ist und viele Tiere (früher oder später…) den Fluss überqueren müssen. Highlights der Wartezeit hier waren ein einheimischer Fischer und Nashorn-Sex-Spuren.

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Dass es hier Tiger gibt, bezweifelten wir nicht da wir immer wieder auf frische Spuren in Sand oder Schlamm stießen.

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Da sich aber während einer Stunde warten nur zwei Rehe über den Fluss wagten, brachen wir auf, durchquerten selbst den Fluss und gingen meist auf Jeep Roads zu vermeintlich guten Stellen wo wir wieder warteten.

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Kurz vor der Mittagspause sahen wir in einem Sumpf eine eingerollte Python, der wir lieber nicht zu nahe kommen wollten. Deswegen verschanzten wir uns auf einem Turm und verspeisten zum ersten Mal ein “Dhal Bhat to go”, Reis eingewickelt in Blättern und dazu Curry + Linsensuppe.

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Nach der Mittagspause gingen wir eine gefühlte Ewigkeit über Schotterstraßen durch den Park ohne viel Tiere zu Gesicht zu bekommen. Ab und zu ein Vogel oder Affe war das höchste der Gefühle. Wir begannen schon die Hoffnung zu verlieren und planten im Kopf schon eher die nächsten Tage und Wochen.

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Kurz vor dem Ausgang des Nationalparks verharrten wir noch eine Weile auf einer Kreuzung, von der aus man weite Einsicht auf die Straßen in drei Richtung hatte (siehe Bild oben) und hofften, dass ein Tier diese überqueren würde. Schlussendlich machte sich die geduldige Warterei doch belohnt und ein Lippenbär überquerte gemütlich den Weg! Wir waren damit eigentlich zufrieden und wollten uns auf den Weg zum Ausgang machen, aber Vishnu wollte näher ran. Leider (oder zum Glück) konnten wir den Bären aber nicht mehr aufspüren.

Schade das wir keinen Tiger zu Gesicht bekommen haben, aber trotzdem eine unglaubliche Erfahrung so viele stark bedrohte Tierarten auf Augenhöhe zu sehen. Und ich bin stark davon überzeugt, dass der Tiger uns sehr wohl gesehen hat…

 

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