Nepal II – “Poon Hill Ext. Trek”

Nach unserer Manaslu Alternativroute, die um ca. eine Woche kürzer war als die geplante Tour, beschlossen wir gemeinsam mit Lenduk & Pekma von Red Panda Treks & Expeditions nur eine Nacht in Pokhara zu bleiben und dann einen den beliebtesten Treks in Nepal in Angriff zu nehmen. Der Poon Hill Trek ist sehr beliebt, da er tolle Ausblicke auf mehrere 8000er bietet und selbst nicht so hoch gelegen ist. Zwar würden wir gerne hoch hinauf, das Wetter lässt es aber noch immer nicht zu. Wir wollen es aber nicht bei der Standard Version belassen (schon gar nicht mit Jeep Abkürzung…) sondern über einen anderen Weg zurück Richtung Pokhara gehen.

Tag 1

Kurz nach dem Frühstück brachen wir in Pokhara auf, fuhren mit einem Minibus mit deutlich weniger Gepäck als beim letzten mal über relativ gute, sogar teils asphaltierte Straßen zum Startpunkt für den Poon Hill Trek. Judith ist leider seit gestern etwas verschnupft, ich hab noch einen guten Muskelkater vom Stiegen bergab gehen und es zieht immer wieder Platzregen durch, daher ist es gut, dass wir nur ca. 3 Stunden gegangen sind.

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Tag 2

Nach anfänglicher Skepsis ob wir wirklich starten können, da es die ganze Nacht stark geregnet hatte (von wegen Trockenzeit…) konnten wir nach einem gemütlichen Frühstück aufbrechen.

Wir gingen langsam los, aber steil bergauf. So hatten wir bis Mittag schon fast 1000hm hinter uns, alle über schöne Stiegen.

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In der Mittagspause (eines der besten Dhal Bhats bisher) begann es zuerst zu Regnen und dann sogar zu Graupeln/Hageln. Wir zogen uns widerwillig unser wetterfestes Gewand an und stapften durch Schlamm und Schnee die restlichen 300hm nach Ghorepani, wo wir ins Hotel Dhaulagiri eincheckten – von besagtem Berg war allerdings nichts zu sehen.

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In Ghorepani, umgeben von verschneitem Urwald auf 2900m gibt es mehr und bessere Hotels als in den meisten Nepalesischen Städten. Ziemlich beeindruckend, wenn man bedenkt dass der Ort ausschließlich zu Fuß oder mit Mulis erreichbar ist.

Das Hotel für uns außergewöhnlich international besetzt, rund um uns sind Kanadier, Deutsche und einige Guides die irgendwo dazugehören. Zur Abwechslung können wir also sogar ein paar Bekanntschaften schließen und sind nicht die einzigen Touristen im Dorf!

Tag 3

Der Wetterpoker hat sich gelohnt! Heute sind wir um kurz nach 5 Uhr früh bereits 300 hm bei Sternenklarem Himmel mit Stirnlampen von Ghorepani durch den Schnee auf den Poon Hill gestapft – den berühmtesten Viewpoint von Nepal. Kurz nach 6 ging die Sonne auf und warf ihr Licht auf Annapurna, Dhaulagiri, Tukche, Fishtail und co.

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links Annapurna I (8091m) und rechts Annapurna South (7219m)

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Sonnenaufgang und ganz links im Bild der Machapuchare – wörtlich Fischschwanz (6997m)
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Daulaghiri-Massiv (8167m)

Wir waren zwar nicht alleine, sondern teilten diesen unbeschreiblichen Sonnenaufgang mit ca. 100 anderen, mehr oder weniger fotowütigen Frühaufstehern, aber der Ausblick ließ viele Strapazen und Planänderungen der letzten Tage vergessen.

Wir gingen wieder hinunter nach Ghorepani, wo wir uns ein verdientes Frühstück gönnten und brachen auf um durch den frischen Schnee der letzten Tage einem traumhaften Weg entlang eines Kamms, dann eines Bachbetts bis Tadapani zu wandern.

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Die Gegend ist recht touristisch, daher gibt es gute Infrastruktur und auch jetzt in der Vorsaison schon viele Touristen aus Südkorea, Europa und Nordamerika. Einige mit demselben Schicksal wie wir, die lieber viel höher oben wären, aber nach Alternativen suchen mussten. Eigentlich bräuchten wir hier zwar weder Guide noch Porter, aber sie sind sehr gute Gesellschaft und wir können von ihnen sehr viel über Nepal bzw. auch die tibetische Kultur (die beiden haben ihre Wurzeln in Tibet) lernen.

Am Nachmittag konnten wir im aufziehenden Regen Affen in den Baumkronen beobachten und nach unserer Ankuft in Chuile, haben wir zuerst ein Pferd dabei beobachtet wie es dabei war ein von der Wäscheleine gefallenes Handtuch zu verspeisen (dieses wurde schließlich von der Lodge-Besitzerin durch den ganzen Garten gejagt bis es das Handtuch los ließ – ein sehr amüsanter Anblick). Anschließend habe ich mir lange einen Hangrutsch und das Tal unter uns angesehen.

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Die zerklüftete Landschaft ist Fluch und Segen der Nepalesen. Nur eine dünne Schicht Erde liegt über den steilen Felsen und droht bei jedem Starkregen oder Erdbeben abzurutschen. Gut also, dass diese instabilen Hänge an ihrer Spitze die höchsten Gipfel dieses Planeten bilden. So kommen zumindest Touristen in diese, sonst recht arme Gegend. Der Namensgeber des Aussichtspunkts, ein gewisser General Poon, der vor fast 100 Jahren wie viele andere Nepalis als Söldner in der British Army war, erkannte das touristische Potential bald und forcierte die Entwicklung von Tourismus & Bildung, damit die jungen Nepalis andere Perspektiven hatten als die Wahl zwischen Bauer oder Soldat.

Das Tourismus-Management heute macht viel richtig: Informationen zu Energiesparmaßnahmen, Müllvermeidung und Unterstützung der Dorfgemeinschaften durch “Eintrittsgelder” in die Nationalparks. Mit dem Geld werden angeblich Schulen, Altersheime und Waisenhäuser finanziert. Außerdem wurden für Speisen, Getränke und Zimmer in der Gegend Preisnormen festgelegt. Das bedeutet zwar, dass es meist das gleiche Angebot gibt, aber auch das es nicht zu Preisdumping oder Touri-Abzocke kommen kann. Betteln und Verhandeln sind verboten.

Tag 5

Nachdem der gestrige Wandertag mit ca 4h recht kurz ausfiel und außer einem Besuch bei natürlichen Hot Springs und der Bekanntschaft von 2 Vorarlbergern sowie erstmaliger Dhal Bhat Combo (zu Mittag & am Abend) nichts wirklich nennenswertes zu bieten hatte, notierte ich nichts.

Das erste Highlight des heutigen Tages war auch das letzte: Eine Hängebrücke, fast 300m lang die scheinbar im Nebel verschwand. Ihr Name wird ihrer Erscheinung nicht ganz gerecht: “Cement Bridge”

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Danach gingen wir zwar fast noch 6 Stunden dahin, aber der Blick war mehr nach innen als nach außen gewandt, da es außen recht grau war. Immerhin hat es nicht geregnet.

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Das Australian Camp, das Ziel der heutigen Etappe, ist auch schon fast das Ziel des Treks. Nur ca. 300hm trennen uns von der Straße nach Pokhara, wohin wir morgen fahren werden. Der Name “Austalien Camp” kommt übrigens davon, dass zu Beginn der Trekking-Ära in Nepal hauptsächlich Australier dieses Fleckchen Erde als Campingplatz benutzten um von hier aus ihre Touren auf größere Berger zu starten.

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Ausblick vom Tea House beim Australien Camp

Tag 6

Am letzten Tag unseres Treks wurden wir in der Früh noch einmal mit tollen Ausblicken belohnt bevor es wieder zurück in die Zivilisation ging.

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In Pokhara angekommen, fuhren wir noch mit Lenduk und Pekma im Boot zum “Taubentempel” auf der einzigen Insel des Landes. Am Abend besuchten wir als Abschluss unserer gemeinsamen Zeit ein gutes Lokal mit Tanz & Musik, wo wir ein paar Everest Bier tranken und uns verabschiedeten. Dazu gehören in Nepal Dankesreden und die Überreichung von Geschenken und Trinkgeld. Pekma, unser Porter, bekam von uns ein kleines Notizbuch für seine Gedichte, die er während der Wanderung ständig weiter entwickelte, Lenduk bzw. seine Firma Red Panda möchten wir mit der #everypostcounts Instagram-Kampagne meiner Arbeitskollegen unterstützen. Ihm persönlich dankten wir für seine Flexibilität an 5 schweren und 5 leichten Tagen am meisten aber für seine Herzlichkeit. Wir konnten von ihm sehr viel über sein Land, Kultur und natürlich die  Berge lernen.

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Fazit: Der Poon Hill Trek hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn wir ihn wahrscheinlich auch alleine geschafft hätten. Aber in guter Gesellschaft wandert es sich ja besagt besser. Sonnenschein im richtigen Moment kann für tagelanges Regenwetter entschädigen und in Gesprächen mit anderen Touristen konnten wir herausfinden, das wir von Lenduk & Pekma viel mehr über Nepal gelernt hatten als die meisten Anderen.

 

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