Nepal I – “Manaslu Trek Alternativroute”

Warum ein gescheiterter Versuch des Manaslu Circuits (Larke Pass) doch noch zu einer spannenden 5 Tages Tour durch entdeckenswerte Bergdörfer im Süden des acht-höchsten Bergs der Welt wurde.

Tag 1:

Wir beobachten ein aufziehendes Gewitter aus dem “New Twins” Hotel in Lapubesi, wo die besagten Zwillinge gerade mit anderen Kindern fangen spielen. Draußen beginnt es zu regnen und wir sind froh schon hier zu sein, haben wir doch eine lange (7-8h) Fahrt mit dem “Scorpio” (Indischer Jeep Verschnitt) hinter uns. Die Bilanz: Einmal sind wir im Schlamm der Mudroad hängen geblieben, zweimal mussten wir warten weil Trucks oder Busse Probleme hatten.

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Am Weg von Kathmandu hierher hatten wir die schlechtesten Straßen, die ich je gesehen habe. Feldwege eigentlich, die aber von großen Bussen befahren werden.

Sogar die traditionelle Bestattungsweise in Nepal – die Leiche wird am Flussufer verbrannt und die Asche wird anschließend ins Wasser geworfen  – konnten wir beobachten, zum Glück war außer Asche aber nicht mehr viel zu erkennen.

Nepal ist mit Sicherheit das ärmste Land in dem ich bisher war, deutlich hinter Marokko und Peru. Die Leute allerdings waren bisher freundlich und angenehm zurückhaltend, was mich überrascht, da aktuell noch Vorsaison ist und es für jeden Touristen eine Vielzahl an Souvenirständen, Guides und Hostels gibt.

Am Weg nach Lapubesi gab’s zu Mittag erstmals Dhal Bhat und natürlich versuchten wir uns in der Kunst des mit den Fingern Essens, was eigentlich ganz cool war. Geschmacklich gibt es an Reis, Linsensuppe, Curry, Spinat und Sesam/Chili Paste sowieso nichts auszusetzen. Sympathie für diese Leibspeise der Nepalesen dürfte nicht schaden.

Die Lage ist am Vorabend unseres Trekking-Starts etwas angespannt weil es morgen regnen und in höheren Lagen schneien soll. Natürlich möchten wir (Judith, Ich unser Guide Lenduk und der Porter Pekma) den Trek durchziehen, aber auch wieder gut zurückkommen.

“We will see” fällt an diesem Abend zum ersten mal und wird sich in den nächsten Tagen wiederholen.

Tag 2: Lapubesi – Dobhan

Es gibt gute und schlechte Nachrichten. Die Guten: wir sind endlich gewandert und nach anfänglichem Regen wurde es dennoch ein sehr sonniger Tag. Außerdem leben wir noch. Die Schlechten: Der Tag hat mit Platzregen & Poncho begonnen, so stark das Pekma schon nach 10min wegen seiner schlechten Regenbekleidung komplett nass war. Bei einer Teepause konnte er sich von den Gastgebern einen Poncho abkaufen, trotzdem warteten wir noch ein bisschen, bis der ärgste Regen und Donner aufgehört hatte.

Lenduk stellte in der Zwischenzeit ein Fieberthermometer aus seinem Erste Hilfe Paket für die kranke Tochter der Gastgeber bereit. Das Ergebnis – fast 40 Grad Fieber – bedeuteten schließlich für Vater und Tochter einen Tagesmarsch, durch den anfänglich starken Regen in die nächstgelegene “Stadt”. Wieder einmal erkennen wir, dass wir uns in punkto medizinischer Versorgung zu Hause echt glücklich schätzen können.

Danach ging es gemütlich über die neu gebaute Mudroad voran, allerdings immer mit einem Blick auf den Hang zu unserer Linken, von dem immer wieder Steine auf die Straße rollten. Auf eine Straße die gerade mit Gewalt in ein Tal gezwängt wird, in dem einfach keine Straße Platz hat. Zu allem Überfluss befindet sich die Baustelle gerademal ca. 25km vom Epizentrum des großen Erdbebens von 2015 entfernt.

Wir mussten nicht lange warten, da löste sich ca. 100 Meter vor uns ein Hang und rutschte auf die Straße. Wir zögerten, gingen auf Distanz und warteten an einer Stelle die uns sicher erschien. Nachdem einige Minuten keine weiteren Steine mehr gefallen waren, gingen Lenduk und zwei Einheimische vor und suchten einen Weg über den Haufen, der auch schnell gefunden war. Einzeln gingen wir schließlich nach, aber ein richtig gutes Gefühl hatten wir nach diesem Vorfall nicht mehr.

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Kurz davor war uns auch schon ein Deutsches Pärchen entgegengekommen und hat uns erzählt, dass sie wegen Schnee oben am Pass umdrehen mussten. Wir wollten trotzdem weiter, hofften auf gutes Wetter und folgten dem Weg flussaufwärts.

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Kurz nach dem Mittagessen (Dhal Bhat, was sonst…) mussten wir einen großen Hangrutsch queren, aus dem noch Teile von zwei Eseln ragten. Insgesamt sind dort vor 2 Wochen fünf Esel getötet worden. Nicht besonders ermutigt aber mittlerweile bei Sonnenschein gingen wir weiter bis zu unserem Tagesziel Dobhan. Fast jeder mit dem Lenduk dort sprach, sagte aber die Überquerung des Passes sei nicht möglich. Einerseits wegen zu viel Schnee aber vor Allem weil noch keine Unterkünfte geöffnet hatten.

Nach langen Diskussionen über weitergehen oder umdrehen entschieden wir uns für eine dritte Möglichkeit: Das Tal seitlich zu verlassen um das Manaslu Massiv an seiner Südseite zu passieren um so auf die Hauptstraße Richtung Pokhara zu gelangen.

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Tag 3: Dobhan – Singhla

Heute war ein guter Tag. Strahlender Sonnenschein von früh bis spät und die neue Route macht sich bisher sehr gut. Ein kleines Stück der Strecke mussten wir wieder zurückgehen, waren aber viel schneller als am Vortag. Dann bogen wir ab. Über Stufen ging es weg von der Straßenbaustelle und weg von touristischer Infrastruktur, hinauf in Bergdörfer direkt rund ums Epizentrum vom Erdbeben 2015.

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Ab der Hälfte der Strecke eröffnete sich ein unglaublicher Blick auf das Ganesh Himal Massiv mit einigen, noch unbestiegenen, 7000er Gipfeln die gleichzeitig die Grenze zu China bilden.

Andere Highlights des 1500hm Aufstiegs war ein Tanz Picknick der Schule am heutigen Feiertag, eine Kostprobe vom selbstgebrannten “Millet-Rum” aber vor Allem die Freundlichkeit mit der wir überall empfangen wurden. Die Leute drängen sich nicht auf, die Kinder falten die Hände, rufen “Namasté” und ein paar haben heute nach einem Ballon gefragt.

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Picknick der Schule

Wir verbringen die Nacht in einem Hotel das noch eine Baustelle ist und dessen Besitzer nicht da ist – das enge Dorfleben macht’s möglich! Mit Lenduk & Pekma verstehen wir uns mittlerweile auch schon richtig gut und haben sehr viel über Nepal gelernt, was ohne Guide schwer gewesen wäre, da niemand sonst mehr als ein paar Brocken Englisch kann.

Das Dhal Bhat haben wir brav aufgegessen, damit es morgen wieder so sonnig wird.

Tag 4: Singhla – Laprak

Heute sind wir spät gestartet und bald angekommen, dazwischen war voller Überraschungen. Von Singhla sind wir zuerst leider wieder über 500hm zu einer Hängebrücke abgestiegen um einen Fluss zu überqueren. Laprak, der Ort zu dem wir wollten war zuerst unter uns, dann auf Augenhöhe und vom Tal aus steil über uns.

Nicht besonders motiviert stiegen wir auf und wurden sehr freundlich empfangen. In Laprak starben beim Erdbeben 40 Leute und das Dorf steht in sehr gefährlichem Gelände, deshalb wird das ganze Dorf ca. 2h bzw. 700hm nach oben verlegt!

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Die Baustelle für die 573 Häuser, nach gleichem, erdbebensicheren Schema erbaut, war das Highlight des Aufstiegs.

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Kurz vor Schluss unserer Etappe hatten wir Probleme im aufziehenden Nebel unser Hotel zu finden, das über der Schneegrenze auf ca. 2800hm liegen sollte.

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Wir fanden es dann doch und nach einem wärmenden Tee riss es plötzlich rundherum auf und wir stiegen auf einen nahen Hügel um bei einem Wahnsinns-Sonnenuntergang ein gewaltiges Panorama zu bewundern.

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Tag 5: Laprak – Tolla Tontheri

Dhal Bhat mit getrocknetem Spinat ist nicht so gut wie frisch. Durch knie- bis hüfthohen Schnee zu stapfen ist anstrengend. Danach noch knapp 1000hm ins nächste Dorf absteigen – sehr anstrengend.

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Highlights des Tages waren eigentlich alle auf den ersten 3 Stunden auf dem Weg vom Hotel Mamche bis zum Anstieg auf den Dharche Danda Viewpoint auf 3200m. Der Ausblick von dort ist grandios, wir sahen im Westen die gesamte Annapurna Range, im Norden den Boudha Himal und dahinter endlich auch den Manaslu. Im Osten wie bisher Ganesh Himal und in der Ferne die Langtang Range, also zwei 8000er und viele 6000er & 7000er.

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Jede Menge Tierspuren haben wir auch gesehen (u.A. Schneeleopard & Bär)

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Die Tatsache das heute auf 2800m dermaßen viel Schnee liegt, macht mich sicher das es die richtige Entscheidung war den Larke Pass nicht zu versuchen.

Insgesamt sind wir den Umständen entsprechend fit. Schade aber, dass wir ab jetzt vom Himalaya weggehen und es wahrscheinlich wärmer wird, was in der Nacht ok ist, aber beim Wandern nicht notwendig wäre.

Zeitweise dachte ich heute wir wären hart, dann kamen uns vier Burschen mit sechs Kälbern/Kühen entgegen, die bereits über 1200hm Aufstieg hinter sich hatten, im kniehohen Schnee und in Turnschuhen…

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In Tolla Tontheri durften wir neben dem Zement Lager schlafen.

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Tag 6: Tolla Tontheri – Aanel

Von Tolla Tontheri ging es ab und zu bergauf, aber hauptsächlich bergab und die Idylle der Bergdörfer rückte in weite Ferne. Auch wenn wir immer noch in einem recht abgelegenen Gebiet waren, wurden doch Autos und Mopeds mehr, genauso wie Müll, Lärm und gefälschte Markenkleidung ersetzte langsam traditionelles Gewand.

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Es war ein eigenartiger Tag, ohne konkretes, attraktives Ziel draufloszuwandern – mit müden Beinen und Rucksäcken die jeden Tag schwerer wurden. Auch die Leute entlang der Strecke waren weniger hilfsbereit.

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Nachdem wir erfolgreich über einen kleinen Pfad, die Hauptstraße meidend, Aanel, das Etappenziel bei Sonnenuntergang erreichten mussten wir feststellen, dass es einerseits der erste rein muslimische Ort ist und es andererseits kein einziges Hotel gibt.

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Müde und erschöpft rief Lenduk ein Taxi, das uns noch am selben Abend die verbleibenden ca. 15km nach Gorkha, in die Bezirkshauptstadt brachte. Leider empfahl uns selbiger Taxler das wahrscheinlich schlechteste Hotel in dem ich je war. Über das “Miracle Hotel Gorkha” könnte ich mich ziemlich aufregen, aber was solls… Nach einer kurzen, wenig säubernden Dusche lud ich die ganze Partie auf ein Bier beim letzten offenen Straßenshop (um ca. 21 Uhr) ein, wo wir den Trek revue passieren ließen und über das Hotel schimpften.

Fazit: Toller Trek mit vielen Überraschungen und positiven wie negativen Eindrücken der in die andere Richtung schöner wäre. Wir haben noch nicht genug von Nepals Bergwelt, auch weil wir uns in den Städten gar nicht wohl fühlen. Mit einem kurzen Zwischenstopp in der Trekking-Hauptstadt Nepals – Pokhara – geht es für uns jetzt weiter Richtung Annapurna Region wo wir wieder unser Glück mit dem Schnee versuchen.

 

 

 

 

 

 

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