Argentinien II – El Chaltén

Zwei Wochen in der Region der Extreme. Die steilsten Gipfel, die groessten Gletscher und Wind – extrem viel Wind.

Nach unseren Abenteuern im Chilenischen Torres del Paine machten wir uns auf, zurueck nach Argentinien. Zuerst nach El Chaltén, wo legendaere Berge und gefuerchtetes Wetter auf uns warteten und danach nach El Calafate, auf der Suche nach einem der aktivsten Gletscher der Welt.

El Chaltén

Das ehemalige Bergsteigerdorf El Chaltén im Schatten des legendaeren Fitz Roy erlebt gerade einen touristischen Aufschwung. Lebten hier noch vor 10 Jahren ein paar Hundert Menschen, sind es jetzt 1600 und jede Menge Reisende. Zumindest sind aber fast alle Touristen zum Wandern oder Klettern im Nationalpark “Los Glaciares” hier. Als Granitliebhaber (weil Muehlviertler) war ich verzueckt vom “Goldenen Granit” rund um das Dorf.

Nach unserer Ankunft in der “Rancho Grande” machten wir es uns erstmal gemuetlich und starteten mit einer kleinen Wanderung zu dem nahegelegenen Wasserfall, wo wir so genannte “Parakeets” beim Loewenzahnfressen beobachten konnten.

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Boca Juniors vs. River Plate in der Rancho Grande

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Wir sind allerdings nicht fuer Wasserfaelle und Voegel den weiten Weg nach El Chaltén gefahren, sondern um die Steilwaende von Fitz Roy und Cerro Torre zu bewundern und dem suedlichen Eisfeld naeher zu kommen. Also brachen wir am naechsten auf zu einer 3-taegigen Wanderung die uns genau dort hinbringen sollte!

Tag 1: El Chaltén – Lago de los Tres & Piedras Blancas (Fitz Roy)

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Die Rucksaecke werden fuer drei Tage abseits der Zivilisation gepackt

Um kurz nach 8 begannen wir den Aufstieg von der Rancho Grande hinauf zum Camp Poincenot. Am Weg kamen wir schnell voran und erreichten schon bald den Mirador Laguna Capri, von wo wir zum ersten mal die Gipfel aus der Naehe sehen konnten. Angekommen im Camp, das gut geschuetzt im Wald liegt, bauten wir unser Zelt auf und machten uns mit leichtem Gepaeck auf zum Lago de los Tres.

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Seltenes Traumwetter zu Tagesbeginn
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Wetter gut – Stimmung gut!

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Der erste Blick auf den fast wolkenfreien Fitz Roy

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Ein Raubvogel “lauert” am Campingplatz auf Essensreste

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Die letzten steilen Meter zum Lago de los Tres

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Wir waren gerade am staunen und jausnen, als ein Franzose uns ein Bier anbot. Ein Freund von ihm hatte es selbst gebraut und ihm mitgegeben um es an einem schoenen Ort mit Fremden zu teilen – was fuer eine Ehre!

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Nemo und sein koestliches Bier

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Nach dem Abstieg mit vielen langsamen Leuten machten wir uns nach kurzer Rast im Camp auf den Weg zum Mirador Piedras Blancas, einem unglaublich schroffen, riesigen Gletscher den man von ein paar hundert meter Entfernung aus dem Wald sehen konnte.

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Zurueck im Camp wurde gekocht und Kochzeug sowie Superkleber mit Zeltnachbarn geteilt. (Mittlerweile hat sich unser Equipment bewaehrt!) Bei uns gabs Kaesesuppe, Ramen und einen Keks um das Menu zu komplettieren. Die Sonne verschwindet und die Temperaturen sinken schnell. Schon bald gings ins kuschlige Zelt um am naechsten Tag ausgerastet starten zu koennen.

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Plumpsklo & Schaufel mit der Aufschrift “Wenn es dir lieber ist, verwende diese Schaufel um deine Exkremente im Wald zu vergraben”

Tag 2: Camp Poincenot – Mirador Maestri (Cerro Torre)

Am zweiten Tag des Treks war das Wetter nicht ganz so gut, da Hochnebel keinen blauen Himmel durchliess. Allerdings blieb es den ganzen Tag trocken und es war beinahe windstill. Da wir wussten, dass uns an diesem Tag nur ca. 15km mit wenigen Hoehenmetern erwarten schliefen wir aus, kochten Fruehstueck (endlich wieder Haferbrei mit Bananen!) packten unsere Rucksaecke und wanderten los. Der Verbindungsweg fuehrte uns zuerst zurueck Richtung Laguna Capri und bog dann ab, vorbei an den zwei kleinen Seen “Madre e Hija” (Mutter und Tochter)

Der Pfad war schmal, stellenweise recht verwachsen aber schoen. Nach ca. 8km durch knorrige Buchenwaelder (Nothofagus) trafen wir auf den Weg zur Laguna Torre. Von dort machten wir ein paar meter bergauf, passierten einen gespenstischen Wald und erreichten kurz nach Mittag das Camp De Agostini, wo wir gleich wieder unser Zelt aufbauten.

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Toter Wald vor dem Cerro Torre Massiv
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Unser klassisches Mittagsbuffet
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Ein gut geschuetzter Zeltplatz, der sich in der Nacht bezahlt machte!

Nach einer Jause machten wir uns auf zur Laguna Torre und dem Mirador Maestri. Beides war schnell erreicht, auch wenn wir am Weg zum Mirador zu hoch stiegen.

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Der Cerro Torre, ein Stueck Oesterreichische Bergsteigergeschichte

Highlights des Tages waren die Tierbeobachtungen diverser Raubvoegel und Fuechse. Der beste Moment war allerdings der unerwartete Abbruch eines Eisbergs vom Torre Gletscher in den See. Mit lautem Donnern brach er ab und zerriss die Stille und zersprang in tausende Splitter – was fuer ein Schauspiel!

Danach wieder absolute Stille.

Tag 3: Camp de Agostini – El Chaltén

In der Nacht hatte es leicht geregnet und der Wind hat immer mehr zugenommen, so standen wir um 6 auf, packten rasch unsere Sachen schnappten eine schnelle Banane und wanderten etwas mehr als 8km runter nach El Chaltén. Das Wetter beim Abstieg spielte voellig verrueckt. Wind, Morgensonne, Regenbogen, Regen, Graupelschauer wechselten sich nicht ab, sondern passierten alle gleichzeitig.

Der Abstieg an sich war eher unspektakulaer, bis auf die tollen Lichtstimmungen und so erreichten wir kurz vor der Gewitterfront El Chaltén um ordentlich zu Fruehstuecken.

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Fuer El Chaltén hatten wir 9 Tage eingeplant. Eine lange Zeit fuer ein kleines Dorf, aber wir wollten sicher sein ein Schoenwetterfenster zu erwischen. Es stellte sich heraus das die ersten beiden Tage tatsaechlich die einzigen schoenen sein sollten und es begann eine Woche voll mit Wind und Regen. Immerhin konnten wir so unsere Ausruestung testen!

Zumindest eine groessere Wanderung konnten wir noch starten, da wir unbedingt auf einen Gipfel wollten! Es wurde der Loma del Pluege Tumbado, mit 1490m Hoehe einer der Kleinsten, aber mit wunderbarem Weitblick auf die Hohen Gipfel, runter zum Lago Viedma und tief hinein in die Pampa.

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An einem Regentag feierten wir den 4. Adventsonntag auf unkonventionelle Weise mit unseren Hostelbekanntschaften.

Von unserer letzten, kurzen Wanderung zur Laguna Capri gibt es nicht viel zu berichten, ein Foto sollte reichen.

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El Chaltén war definitiv einen Besuch wert und die Berge und Wanderwege brauchen den Vergleich mit den Torres del Paine auf keinen Fall scheuen. Der Nationalpark an sich ist auch besser zugaenglich und die Treks einfacher zu planen. (Gratiscamping!) El Chaltén wird sich allerdings in den naechsten Jahren bestimmt sehr veraendern, da der halbe Ort aktuell eine Baustelle ist und sich fuer mehr Touristen wappnet. Falls wir noch einmal herkommen, dann mit Kletterequipment und einem Spielekoffer fuer Regentage.

Zum Abschluss dieses langen Posts gibt es noch die Ranch “Lo de Tomy” (die vom Tom), die uns extrem an die “Puder-Rosa Ranch” aus Schuh des Manitu erinnert hat.

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Hasta Luego, aus El Calafate!

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