Chile IV – Patagonien

Ein Bericht von “Ws”, “Os” und anderen Buchstaben in und um den Nationalpark Torres del Paine und Puerto Natales.

 

Torres del Paine

Notiz 1: Die Texte dieses Erlebnisberichts sind Auszuege aus meinem Reisetagebuch, dass ich mit grossen Ernst und pedantischer Detailverliebtheit fuehre.

Notiz 2: Fuer das bessere Verstaendnis unserer Irrwege, und warum wir aus einem “W” ein “I” und ein “J” gemacht haben, nehme man diese Karte zur Hilfe. Hier bekommst du auch generelle Infos ueber den Park.

 

Tag 1

Wir sitzen a Campingplatz Paine Grande, sehen vor uns fast wolkenfrei den Paine Grande, den hoechsten Gipfel des Massivs und die zackigen “Hoerner” der Los Cuernos. Wir trinken heisse Schokomilch und ueberlegen wie wir die naechsten Tage angehen, an dem Punkt unserer Reise um den sich die komplette Planung gedreht hat. Jetzt sind wir da. Schneller als erwartet und einfacher als gedacht, doch ploetzlich war alles anders. Eine Verbindungsbruecke ist kaputt und der Wegabschnitt von unserem Camp bis Valle Francés gesperrt.

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Colun Schokomilch versuesst dir deinen Wandertag!

Heute sind wir um 6 aufgestanden, haben gefruehstueckt, unser “unnoetiges” Zeug im Hostel deponiert und mit dem Bus zum Nationalpark gefahren. Dort sind wir (so wie ca. 100 andere Wanderer) mit der Faehre zu unserem ersten Camp gefahren.

Unser Zelt errichteten wir an einem moeglichst windgeschuetzten Platz, packten das Wichtigste (Jause!) in unsere kleinen Rucksaecke und sind zum Lago Grey Lookout gewandert.

Am Weg trafen wir auf viel Wind, maessig Regen und wenig Sonne, die Sicht war allerdings nicht schlecht. So erblickten wir den gigantischen Grey Gletscher der in einen See fliesst und dort Eisberge verteilt. Am Rueckweg war es dann schon beinahe sonnig und wir konnten ein bisschen geniessen und realisieren, dass wir jetzt tatsaechlich im Torres del Paine angelangt sind.

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Erster Blick auf den Grey Gletscher
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Nach dem grossen Waldbrand von 2011 erholt sich das Gebiet nur langsam
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Bei Wind, Naesse und Kaelte sind eine gute Jacke und ein Laecheln besonders wichtig.
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Ein bunter Zelthaufen am Paine Grande Camp
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Links: Paine Grande / Rechts: Los Cuernos
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Mitte: Judith (will auch ein Berg sein…)
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Fuechse suchen in der Abenddaemmerung den Campingplatz nach Essensresten ab
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Die “Teufelshoerner” im Abendrot

 

So richtig beeindruckt waren wir noch nicht, ich glaube das liegt daran, dass echt ziemlich viele Leute da sind, die letzten Tage recht stressig (mehr als 30h Busfahren…) waren und wir noch nichts von den Torres gesehen haben. Die Erwartungshaltung an den vermeintlich “schoensten Nationalpark Suedamerikas” liegt jedenfalls extrem hoch.

 

Tag 2

Heute schliefen wir erstmal aus, fruehstueckten gemuetlich (Haferbrei mit Bananen) und beobachteten die Ankunft und Abfahrt der ersten Faehre. Ein bisschen frustriert ob der mangelnden Wandermoeglichkeiten (wir wollten die leider eingestuerzte Bruecke ueberqueren…) brachen wir erst um kurz nach 11 wieder in Richtung Grey Gletscher auf. Kurz darauf setzte sich die Sonne durch, Wind war fast nicht vorhanden und wir genossen perfektes Wanderwetter. Die Kontraste und Weitblicke waren nicht mit den grauen Schleiern von gestern zu vergleichen. Riesige Gletscher leuchteten weiss und blau am Horizont, rechts neben uns der schroffe, fast wolkenfreie und vereiste Gipfel des Paine Grande – seht selbst:

So wanderten wir die ganze Strecke bis zum Grey Camp und dem dazugehoerigen Aussichtspunkt wo man den Eisbergen beim Schmelzen zuhoeren konnte.

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Laguna Los Patos

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Der vereiste Gipfel des Paine Grande und frisches Gletscherwasser am Weg ins Tal
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Grey Refugio (klein) & Grey Gletscher (enorm gross)
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Eisberge zum angreifen nahe
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Ice, ice baby!

Auch am Rueckweg wurden wir mit tollen Panoramablicken bis weit in den O´Higgins Nationalpark belohnt, allerdings waren wir recht flott unterwegs um unseren (meinen…) Hunger stillen zu koennen.

 

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Auch das Zelt hat die erste “Patagonische Nacht” gut ueberstanden!

dsc_0551In Hoffnung auf einen guten Wahlausgang und mit lieben Gruessen an alle Barbaras beende ich diesen Eintrag.

 

 

Tag 3

 

So viel Glueck wie an diesem Tag hat man nicht oft. Wir nahmen die erste Faehre um halb 10 obwohl wir wussten, dass wir auf den naechsten Bus von dort nach Laguna Amarga bis halb 2 warten muessten. Jeder wusste das, trotzdem war die Faehre aus Mangel an Alternativen, voll. Im Faehrhafen von Pudeto angekommen fanden die schnellsten 4 einen Platz im einzigen Taxi, eine Gruppe bestieg ihren organisierten Bus und wir stiegen in das wahrscheinlich einzige “normale” Auto ein.

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Blick von der Faehre auf die “Cuernos”

Zuerst dachten wir es sind Ranger oder sowas, aber es stellte sich heraus, dass es ein Chilenischer “Maennertrip” war, die sich einen roten Pickup gemietet hatten und gerade zwei andere Hitchhiker an der Faehre abgeliefert haben. Judiths verzweifelter Blick hat sie schnell ueberzeugt und so nahmen wir auf der Rueckbank platz und ein anderes Paar machte es sich auf der Ladeflaeche gemuetlich.

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Nicht mal Guanacos koennen uns jetzt noch stoppen!

So waren wir schon um halb 12 im Las Torres Camp, schlugen flott unser Zelt auf, jausneten ein bisschen und brachen auf zu den Namensgebern des Parks und DEN Symbolen Patagoniens – den Torres del Paine.

Der Anstieg war schoen und sonnig und wir waren hochmotiviert. So ueberholten wir jede Menge Wanderer (mit grossen Rucksaecken…) machten wenig Pausen und konnten die riesigen Granittuerme nahezu wolkenlos bestaunen – ein seltener Anblick!

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Auch beim Abstieg zeigte sich Patagonien von seiner schoensten Seite und wir kamen bald wieder im Camp an. Dort kochten wir Huehnersuppe (Knorr) und Spagetthi mit Tomatensauce (Knorr).dsc_0626

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Uns war schon ein bisschen nach feiern, aber wir beschlossen noch einen Tag zu warten, um am letzten ganzen Tag im Park noch einen ordentlichen Marsch bis zum Valle Francés zu machen.

 

Tag 4

Ich habe gerade bemerkt, dass heute Nikolaus ist. Bis jetzt ist er nicht gekommen – falls doch, hat er Sonne, Wind und Weitblick gebracht.

Um kurz nach 5 Uhr frueh starteten wir heute bei Nieselregen wie ueblich den Tag mit Haferbrei (ohne Bananen…), packten unser Zeug und marschierten los Richtung Valle Francés. Ich motiviert und wach, Judith eher zach und muede. So waren die Rollen heute klar verteilt. Wir wanderten bis zum Camp Italiano wo die Bruecke eingestuerzt war. Zu unserer Ueberraschung und Enttaeuschung waere die Ueberquerung des Flusses trotzdem leicht moeglich gewesen.

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Ein Regenbogen im Valle Francés, da wollen wir hin!

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Leider kein Topf voll Gold, sondern ein verhangenes Tal
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Judith ist kaputt
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Die Bruecke ist kaputter

Es war zwar erst 11 Uhr, aber eine grosse, dunkle Wolke deckte das Tal in Schatten und Judiths Fuesse waren ganz schoen mitgenommen, also drehten wir um und machten uns auf den Rueckweg, wo uns einerseits der beruechtigte patagonische Wind (zum Glueck von hinten) begegnete, aber auch einige der schoensten Blicke und das “tuerkiseste” Wasser, dass wir je gesehen haben.

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So sehen die Cuernos aus…

Nach anstrengden 12 Stunden wandern kamen wir wieder im Camp an, stellten gluecklich fest, dass das Zelt dem Wind stand gehalten hat und goennten uns zur Feier des Tages ein “Cerveza Austral”, das suedlichste Bier der Welt.

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…und so schmecken sie! (siehe Etikett)

Essen. Schlafen. Morgen geht´s zurueck nach Puerto Natales. Die erste Haelfte unserer Reise ist hinter uns, die zweite beginnt erst uebermorgen.

 

Tag 5

Heute war bis jetzt kein anstrengender Tag. Wir haben ausgeschlafen, Fruehstueck gekocht (zur Abwechslung Haferbrei…) und unser Zeug gepackt.  Dann sind wir ein paar Hundert Meter ins Visitor Center spaziert und uns ein paar Infos fuer die Rueckfahrt geholt. Dort haben wir auch herausgefunden, dass “WanDerBellen” unser neuer Praesident ist. Endlich.

Gerade sind wir mit dem Shuttle von Las Torres nach Laguna Amarga gekommen und muessen uns noch ca. 1 Stunde die Zeit totschlagen bis wir nach Puerto Natales zurueck koennen. Leider kann man nicht kochen. (Waldbrandgefahr)

Es ist windig, schwuel und staubig – wir koennen echt froh sein so perfektes Wanderwetter gehabt zu haben! War schoen hier.

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Letzter Blick auf die Torres

 

Puerto Natales

Puerto Natales ist der suedlichste Punkt unserer Reise. Daher haben wir entschlossen mehr als die uebliche eine Nacht vor und nach dem Torres del Paine Park dort zu verbringen um die Abgelegenheit und das raue Wetter zu geniessen und mal so Richtig weit von allem Anderen weg zu sein. Ausserdem hatten wir Spass mit Kunst und richtig feines Seafood.

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Pulpo Patagonico auf Gemuese und Roesti

 

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Suedlicher als hier wirds nimmer auf unserem Trip

Hier tuefteln wir jetzt mal an unseren weiteren Plaenen, hasta luego!

 

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One thought on “Chile IV – Patagonien

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